Algorithmus für ein faires entscheiden: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Seite wurde neu angelegt: „Es gibt Entscheidungen die kann jede Person für sich selbst treffen. Zum Beispiel, wie verbringe ich meinen Abend. Es gibt jedoch Entscheidungen, da ist es praktisch erforderlich oder zumindest sinnvoll, das man zu einer gemeinsamen Entscheidung gelangt. Beispielsweise, fahren wir im Linksverkehr oder Rechtsverkehr wird aus naheliegenden Gründen eine gemeinsame Entscheidung sinnvoller sein. Bei der Politik geht es ja meist darum eine Entscheidung zu tre…“
 
 
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Für eine faire gemeinsame Entscheidung sollten diese beiden Bedingungen möglichst gut erfüllt sein:
Für eine faire gemeinsame Entscheidung sollten diese beiden Bedingungen möglichst gut erfüllt sein:
# '''Mehrere Entscheidungsalternativen''': Der Entscheidungsalgorithmus darf nicht auf eine einfach Ja/Nein oder A versus B oder 'Soll das umgesetzt werden oder nicht' reduziert sein. Denn im Normalfall gibt es für einen bestimmten Sachverhalt oder Themenstellung eine Vielzahl von verschiedenen Lösungen. Kann der Algorithmus nicht damit umgehen, dann muss im Vorfeld auf eine Variante reduziert werden. Also das Entscheidungsproblem wird dadurch nur vorverlegt und nicht gelöst.
# '''Mehrere Entscheidungsalternativen''': Der Entscheidungsalgorithmus darf nicht auf eine einfach Ja/Nein oder A versus B oder 'Soll das umgesetzt werden oder nicht' reduziert sein. Denn im Normalfall gibt es für einen bestimmten Sachverhalt oder Themenstellung eine Vielzahl von verschiedenen Lösungen. Kann der Algorithmus nicht damit umgehen, dann muss im Vorfeld auf eine Variante reduziert werden. Also das Entscheidungsproblem wird dadurch nur vorverlegt und nicht gelöst.
# '''Jede Stimme soll möglichst gleich viel zählen''': Nehmen wir an, es gibt drei Entscheidungsalternativen A, B und C. Wobei B beliebter als A ist, C beliebter als A ist. C und A sind jedoch sehr ähnliche Alternativen. Würde man hier die relative Mehrheitsentscheidung anwenden. Dann würden sich die Stimmen auf B und C aufteilen, während A als alleinstehend profitieren würde. A würde gewinnen, obwohl es die unbeliebteste Alternative ist. Da sich die Stimmen auf B und C aufgeteilt haben, waren sie weniger wert. Das ist also ein Algorithmus der diese Bedingung nicht gut erfüllt.
# '''Jede Stimme soll möglichst gleich viel zählen''': Nehmen wir an, es gibt drei Entscheidungsalternativen A, B und C. Wobei B beliebter als A ist, C beliebter als A ist. B und C sind jedoch sehr ähnliche Alternativen. Würde man hier die relative Mehrheitsentscheidung anwenden. Dann würden sich die Stimmen auf B und C aufteilen, während A als alleinstehend profitieren würde. A würde gewinnen, obwohl es die unbeliebteste Alternative ist. Da sich die Stimmen auf B und C aufgeteilt haben, waren sie weniger wert. Das ist also ein Algorithmus der diese Bedingung nicht gut erfüllt.


In seiner Arbeit zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Arrow-Theorem Allgemeinen Unmöglichkeitstheorem] hat er mathematisch belegen können, dass es keinen Algorithmus gibt der Präferenzordnungen einzelner Personen zu einer gemeinsamen Präferenzordnung aggregieren kann welche als fair betrachtet werden kann. Die Möglichkeit aus diesem Dilemma herauszukommen ist es, die Meinungen der einzelnen Personen nicht zu Präferenzordnungen (= vergleichendes Wählen) zur reduzieren, sondern diese einfach als Wert (Punkte an einer Werteskala = bewertendes Wählen) zu erfassen.  
In seiner Arbeit zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Arrow-Theorem Allgemeinen Unmöglichkeitstheorem] hat er mathematisch belegen können, dass es keinen Algorithmus gibt der Präferenzordnungen einzelner Personen zu einer gemeinsamen Präferenzordnung aggregieren kann welche als fair betrachtet werden kann. Die Möglichkeit aus diesem Dilemma herauszukommen ist es, die Meinungen der einzelnen Personen nicht zu Präferenzordnungen (= vergleichendes Wählen) zur reduzieren, sondern diese einfach als Wert (Punkte an einer Werteskala = bewertendes Wählen) zu erfassen.  
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==== Ehrlichkeit ====
==== Ehrlichkeit ====
Durch den Stichwahlschritt im STAR VOTING wird der Person jeglicher Anreiz genommen strategisch zu wählen (Abbildung 1). Im Chart wird dargelegt wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass das strategische Wählen funktioniert, oder das es nach hinten losgeht. Wenn es gleich wahrscheinlich oder wahrscheinlicher ist, dass es nach hinten losgeht, dann gibt es keinen Anreiz strategisch zu wählen.
Durch den Stichwahlschritt im STAR VOTING wird der Person jeglicher Anreiz genommen strategisch zu wählen (Abbildung 1). Im Chart wird dargelegt wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass das strategische Wählen funktioniert, oder das es nach hinten losgeht. Wenn es gleich wahrscheinlich oder wahrscheinlicher ist, dass es nach hinten losgeht, dann gibt es keinen Anreiz strategisch zu wählen.
[[Datei:Star_strategic2.png|mini|Abbildung 1: Strategisches wählen. Wahrscheinlichkeiten für Erfolg und nach hinten losgehen für verschiedene Entscheidungsalgorithmen]]
[[Datei:Star_strategic2.png|thumb|600px|Abbildung 1: Strategisches wählen. Wahrscheinlichkeiten für Erfolg und nach hinten losgehen für verschiedene Entscheidungsalgorithmen]]
==== Genauigkeit ====
==== Genauigkeit ====
STAR VOTING liefert im Vergleich mit anderen Wahlverfahren die besten Ergebnisse hinsichtlich Genauigkeit. Siehe dazu: [https://www.starvoting.org/accuracy STAR VOTING accuracy]. Die Genauigkeit ist eine wichtige Eigenschaft, bei der unser Mehrheitswahlsystem sehr schlecht abschneidet. Besonders beeindruckend ist für mich die grafischen Simulationen die dafür gemacht wurden. <ref>https://www.youtube.com/watch?v=-4FXLQoLDBA</ref>
STAR VOTING liefert im Vergleich mit anderen Wahlverfahren die besten Ergebnisse hinsichtlich Genauigkeit. Siehe dazu: [https://www.starvoting.org/accuracy STAR VOTING accuracy]. Die Genauigkeit ist eine wichtige Eigenschaft, bei der unser Mehrheitswahlsystem sehr schlecht abschneidet. Besonders beeindruckend ist für mich die grafischen Simulationen die dafür gemacht wurden. <ref>https://www.youtube.com/watch?v=-4FXLQoLDBA</ref>
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Eine häufig gestellte Frage ist hier, ob es nicht dadurch zum minimalen Kompromiss oder kleinsten gemeinsamen Nenner als Lösung kommt. Die Antwort darauf ist ein klares NEIN. Es können die Vorschläge optimiert, als auch neue Vorschläge zu einem Thema eingebracht werden. Dabei kann auch der 'minimal Kompromiss' Vorschlag sein. Es können aber auch, und es werden auch Vorschläge eingebracht werden, welche besser die Bedürfnisse der Beteiligten erfüllen. Diese Vorschläge werden daher auch weniger Widerstand erhalten und besser bewertet werden als der 'minimale Kompromissvorschlag'. Daher wird sich nicht der 'minimale Kompromissvorschlag' durchsetzen können, sofern es bessere Lösungen für die beteiligten gibt.
Eine häufig gestellte Frage ist hier, ob es nicht dadurch zum minimalen Kompromiss oder kleinsten gemeinsamen Nenner als Lösung kommt. Die Antwort darauf ist ein klares NEIN. Es können die Vorschläge optimiert, als auch neue Vorschläge zu einem Thema eingebracht werden. Dabei kann auch der 'minimal Kompromiss' Vorschlag sein. Es können aber auch, und es werden auch Vorschläge eingebracht werden, welche besser die Bedürfnisse der Beteiligten erfüllen. Diese Vorschläge werden daher auch weniger Widerstand erhalten und besser bewertet werden als der 'minimale Kompromissvorschlag'. Daher wird sich nicht der 'minimale Kompromissvorschlag' durchsetzen können, sofern es bessere Lösungen für die beteiligten gibt.
=== Systemische Betrachtung ===
Wenn es um die Entscheidungen einer Gruppe von Personen geht, kann das eingesetzte Verfahren einen großen Einfluss auf den Ausgang haben. In diesem Kontext ist es wichtig, die Perspektiven und Werte aller Beteiligten zu berücksichtigen.
==== Beispiel: 3 Freunde wollen gemeinsam ein Dinner kochen <ref>[[Eine kleine Geschichte über die Problematik von Mehrheitsentscheidungen und einen möglichen alternativen Umgang]]</ref> ====
Wenn drei Freunde gemeinsam ein Dinner kochen möchten und zwei davon möchten gerne Erdnuss Hähnchen kochen und die dritte Person ist allergisch auf Erdnüsse, dann hängt es davon ab was sie kochen, mit welchen Verfahren sie entscheiden:
# '''Mehrheitsentscheidung:''' Sie kochen das Erdnuss Hähnchen. Zwei der Freunde können ihr Lieblingsgericht essen. Der dritte Freund geht lehr aus und fühlt sich unzufrieden.
# '''Entscheidung bei der möglichst alle zufrieden sind:''' Gute Freunde würden die Allergie des dritten Freundes mit berücksichtigen und nach einem Gericht suchen, sodass alle das Essen genießen können.
==== Formalisierung ====
Wie im Beispiel gezeigt wurde, ist es nicht ausreichend, einfach auf die Mehrheit zu setzen, wenn Entscheidungen getroffen werden. Stattdessen sollten wir ein Verfahren nutzen, welches die Perspektiven und Werte aller Beteiligten berücksichtigt. Dies kann erreicht werden, indem man die Auffassungen der Minderheitsgruppe in den Entscheidungsprozess einbezieht. Um auch für größere Gruppen und sogar für ganze Nationen diese Art und Weise der Lösungsfindung zu ermöglichen und damit insgesamt eine höhere Zufriedenheit zu schaffen wurde das Vorgehen der guten Freude formalisiert.
Einfach ausgedrückt, geht es darum gemeinsam eine Lösung zu finden die auch bei möglichst niemanden eine hohe Ablehnung oder Widerstand auslöst. Das bedeutet, dass auch die Ablehnung, in diesem Fall dem Gericht, im Entscheidungsverfahren mit einfließen kann. Das Ziel ist es eine gute Lösung für alle zu finden und nicht eine Mehrheit die Minderheit überstimmt.
Teil dieses Verfahrens ist es die verschiedenen Lösungen unabhängig von einander bewerten zu können und durch die Erfassung der Widerstände die Entscheidungsfindung ähnlich derer guter Freunde zu gestalten. Denn letzten Endes wollen wir ja gemeinsam als Gesellschaft kooperativ leben.
== Referenzen ==
== Referenzen ==
<references/>
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